„Männer trinken keinen Wein!“ – eine kritische Analyse

Feminismus, Gleichberechtigung & persönliche Meinungen – eine kritische Analyse mit Inspiration von Nina Åkestam.

(Triggerwarnung: Der nachfolgende Beitrag und die beigefügte PDF behandeln unter anderem das Thema der sexuellen Belästigung, des Missbrauchs und der Gewalt an Frauen.)

Das wichtigste, wenn es um Feminismus und Gleichberechtigung geht, ist kritisch zu sein. Mit ‘kritisch’ ist hier selbstkritisch gemeint, weil du wahrscheinlich ein Teil des Problems bist. Ja genau,​ Du.​ Ich wende mich mit diesem Text an dich, egal ob du schon Feminist*in bist, keine Ahnung hast oder einfach mehr wissen möchtest.

Kann jede*r Feminist*in sein? Das ist eine große Frage. Zu sagen, dass so viele wie möglich Feminist*innen sein sollen, ist eine schöne Ambition, aber ist es auch machbar? Der Feminismus wird als Ideologie oder Bewegung definiert, die nach gleichen Rechten und Möglichkeiten für alle strebt; sozial, finanziell, politisch und unabhängig vom Geschlecht. Vielleicht klingt das nach etwas, wo jede*r dabei sein würde. Das ist aber nicht der Fall. Obwohl viele für Gleichberechtigung sind, ist es häufig theoretisch gemeint. Wenige wollen ernste politische Reformen haben oder sind bereit das eigene Leben zu verändern, um Gleichstellung zu fördern. Diese Einstellung ist eigentlich nicht komisch. Wir dürfen nicht vergessen, wie radikal der Feminismus tatsächlich ist.

Wie können wir Feminismus verstehen? Gerne lade ich ich dich ein, den gesamten Text zum Thema Feminismus und Gleichberechtigung zu lesen. Diesen findest du als PDF am Ende dieser Seite.

Deine Meinung zum Thema zählt – hier geht’s zur anonymen Online-Umfrage!

Feminismus – Die Theorie …

Häufig zirkulieren in sozialen Medien feministische Zitate, wie zum Beispiel ​“equal rights for others does not mean less rights for you. It’s not pie“. Das mag sein, aber es ist eine Wahrheit mit Modifikation. Der Feminismus möchte manche Rechte begrenzen. Durch Wahlrecht für Frauen wurde sowohl finanzielle, als auch juristische Macht der Männer über Frauen aufgehoben. Gleiches gilt bei der Aufhebung des Rechts die eigenen Ehefrauen zu misshandeln und zu vergewaltigen. Der Feminismus stellt auch das Recht in Frage sexistische Witze zu machen, im Club Frauen unerwünscht anzufassen und dickpics zu schicken. In dem Sinn stimmt es also nicht; ​equal rights​ heißt tatsächlich weniger Rechte für manche.

… und die Umsetzung.

Wenn große Unternehmen wie H&M oder NewYorker T-Shirts und Pullis mit dem Text „Feminist 4 Life“ verkaufen, müssen wir uns fragen, ob das Feminismus ist? Nein. Es ist eine Möglichkeit für die Unternehmen sich als modern und bewusst darzustellen (um dadurch zu Verkaufen und Gewinn zu machen). Gleichzeitig nutzen sie untergewichtige weibliche und sehr trainierte männliche Modelle für Werbungen und lassen Mitarbeiter*innen in Bangladesh für 95 Dollar monatlich arbeiten – das kann nicht Feminismus sein. Man kann nicht das eine sagen und zeitgleich das Gegenteil machen. Gleichberechtigung ist das Ziel des Feminismus, alles andere ist nicht feministisch. ​“Gleichberechtigung, aber…“ ​geht nicht. Wenn wir über Feminismus reden, also wenn es darum geht, dafür oder dagegen zu sein, fällt ein wichtiger Aspekt raus: Feminismus ist nicht etwas, was man ist. Feminismus ist eine Ideologie und politische Bewegung für Gleichberechtigung zwischen Menschen, unabhängig vom Geschlecht (unter anderem). Eine Bewegung braucht auch das Handeln, nicht nur persönliche Meinungen.

“In unserem Land sind wir schon gleichgestellt. Es gibt andere Probleme, die wichtiger sind.”

Unser Land ist eigentlich schon gleichgestellt, deshalb hast du nichts dagegen mit deiner Frau zu tauschen. Du hast ja keine Probleme dadurch, da ihr sowieso gleichgestellt seid.

Trotzdem glaube ich nicht, dass du tauschen möchtest – nicht mit deiner Frau, nicht mit einer Transfrau und nicht mit der jungen Frau in Prostitution. Ich glaube nämlich nicht, dass du mit einem Leben geprägt von Stress, Gewalt, Angst und finanzieller Ausgrenzung zufrieden wärst. Es gehört aber alles dazu, nur weil du als Frau geboren bist.

Du bist ein Mann, ich bin eine Frau, das ist der einzige Unterschied.

Komplett unprovoziert. Wir haben nichts Besonderes gemacht und auch nichts bezogen auf das Thema besprochen. Vor allem habe ich nicht nach deiner Meinung gefragt. Mit netter und ruhiger Stimme sagst du „Willst du dich da nicht rasieren?“ und zeigst auf meinen Körper. Ich gucke. Ist mir nie aufgefallen, dass man sich da rasieren ‘sollte’. Du sitzt am Tisch und wenn ich dich angucke, sehe ich, dass du dich da auch nicht rasiert hast. Wir treffen uns heute zum zweiten Mal und du hast schon meinen Körper in deinem Kopf bewertet und einen Fehler gefunden. Wir treffen uns zum zweiten Mal und du glaubst, dass du meinen Körper besser kennst als ich. Hätte ich das gewollt, hätte ich es gemacht. Aber das ist anscheinend irrelevant. Dass du dich genau da, an deinem Körper, nicht rasiert hast, ist auch egal. Du bist ein Mann, ich bin eine Frau, das ist der einzige Unterschied.

Ein ganz normaler Arbeitstag…

Ich bin bei der Arbeit. Es ist ein großes Unternehmen. Ich bin an der Kasse, es gibt eine Schlange. Ich stehe da und von der Seite kommt jemand auf mich zu. *Klick*. Er hat ein Foto von mir gemacht. Er sagt nichts und läuft weg. Es ging alles so schnell, ich hatte keine Möglichkeit etwas zu sagen. Warum, ist alles was ich denken kann. Warum hat er ein Foto von mir gemacht? Vielleicht passt mein Körper nicht zu seiner patriarchalen Vorstellung von Frauenkörpern und er musste einfach diese Absurdität dokumentieren. Oder wegen etwas ganz Anderem? Ich will gar nicht wissen, was er mit diesem Foto machen wird. Werde ich es irgendwann online finden? Keine Ahnung. Naja, einfach ein ganz normaler Tag bei der Arbeit. Jetzt die Waren auf dem Band weiter scannen.

Was möchtest du trinken?

Eine Familienveranstaltung. Weiß nicht mehr für was, vielleicht ein Geburtstag oder vielleicht einfach so. Die Frauen unterhalten sich auf der Terrasse, die Männer haben sich im Garten (unbewusst?) isoliert und trinken Bier. Die Kinder sind bei den Frauen, bei den Frauen, die sich auch um das Vorbereiten vom Essen kümmern. Jemand kommt aus dem Haus auf die Terrasse raus, eine Frau (zufälligerweise?), und fragt, was alle trinken wollen, da das Essen bald fertig ist. Sie erzählt, was es alles so gibt und bietet als erstes Wein an. Einer von den Männern lacht und sagt laut aus dem Garten: “Männer trinken doch keinen Wein!” Alle außer ich lachen und eine Frau (zufälligerweise?) antwortet, dass es auch andere Getränke gibt. Er holt dieses andere Getränk nicht selbst, sie holt es. Ich stehe da und frage mich, wie wir so tief von Normen geprägt sein können, dass ein Mann von einem Getränk provoziert wird.

Weitere Beispiele aus dem Alltag sind in der vollständigen Analyse zu finden.

Hi, ich bin Malin –

ich bin Masterstudentin in Politikwissenschaft und Kultur mit Fokus auf Europa. Gleichberechtigung ist also nicht mein Hauptfach, aber es ist in meinem Studiengang auf jeden Fall relevant. Warum habe ich dieses Thema für mein erstes Projekt als Praktikantin gewählt? Simpel gesagt: Es interessiert mich und ist ein sehr wichtiges Thema. 

Da ich in verschiedenen europäischen Ländern gewohnt habe, habe ich auch Gleichberechtigung aus verschiedenen Perspektiven erlebt. Kurz zusammengefasst finde ich, dass überall zu wenig gemacht wird, um Gleichberechtigung zu fördern. Deshalb habe ich eine kritische Analyse geschrieben – über Feminismus, Gleichberechtigung und persönliche Meinungen. 

Es ist hauptsächlich eine Einladung zum Gespräch. Man muss auch verstehen, dass dieses Thema nicht bequem und gemütlich ist. Das eigene Verhalten zu prüfen, etwas Neues zu lernen und zu reflektieren ist immer wichtig. Ich würde mich freuen, wenn du nach dem Lesen auch die (anonyme) Umfrage beantworten würdest. Damit ich auch deine Meinungen zum Thema mitbekomme. Das PDF mit dem ganzen Text darf auch an Freunde weitergeleitet werden. Bei Fragen kann man mich unter malin.soederberg@gruene-wtal.de erreichen.

Die Grünen Wuppertal und eine feministische Politik

Für die Grünen als Partei ist Feminismus ein priorisiertes Thema und es gibt auch ein Gleichberechtigungsstatut (Stand 01.2020) in welchem viele wichtige Aspekte erhoben werden. Die Partei erkennt u.a., dass strukturelle Diskriminerung und Sexismus verbreitete Probleme sind und es wird nach der, ​“Verwirklichung der Rechte und Interessen sowie der Förderung politischer Teilhabe und Sichtbarkeit von Frauen, weiblich gelesenen Personen und Menschen mit Diskriminierungserfahrungen aufgrund von Weiblichkeit“ g​estrebt​. 

E​s wird auch erkannt, dass die im Statut erwähnten Maßnahmen nicht die Lösungen, sondern ein Weg sind, um die Lage zu verbessern, man jedoch weiterhin Veränderungen vorantreiben muss. Das ist ein guter Ansatz: Die Probleme werden erkannt, man weiß, dass es keine einzige Lösungen gibt und man informiert über das Thema. Das ist feministisch zu Handeln. 

Allerdings muss man als Mitglied der Partei auch wissen, dass die Partei nicht alleine für das Handeln verantwortlich ist. Nicht zu vergessen: Feminismus ist wichtiger als der*die Feminist*in. Dass man bei einem Meeting teilnimmt und über Quotierung redet und sich dann mit gutem Gewissen als Feminist*in definiert, reicht nicht. Wie förderst du auch außerhalb der Meetings Gleichberechtigung? Als Privatperson? Bei einer Party? Zuhause? 

Es gibt so viele Möglichkeiten zu beeinflussen, diese sind wichtig zu nutzen. Immer kritisieren, reflektieren, etwas neues lernen und handeln – nur dadurch erreichen wir eine Gesellschaft, in der Frauen in Ruhe feiern gehen und online Schuhe verkaufen und Männer Wein trinken können.

Jetzt die ganze Analyse lesen – hier klicken.

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